Musiker*innen, Maler*innen, Künstler*innen, Schauspieler*innen. Sie müssen häufig mit der Behauptung leben, dass sie nicht ganz richtig ticken. Genie oder Wahnsinn?! Haben sie vielleicht Borderline?

Nein! Auf keinen Fall (alle)!

Das Theaterstück „Achterbahn“ thematisiert Borderline. Es zeigt in einer szenischen Collage aus verschiedenen Kunststilen wie Borderline-Betroffene mit Übersensibilität und Impulsivität zu kämpfen haben. Depressionen einerseits und Aggressivität andererseits – und dann ist da noch die Suche nach dem magischen Moment.

Gefunden im Rampenlicht?

Alleine in Deutschland sind über 1,2 Millionen Menschen vom Borderline-Syndrom betroffen. Sie kämpfen mit dieser komplexen Störung ihrer Persönlichkeit. Impulsivität und Instabilität von Emotionen und Stimmungen bringen die eigene Identität sowie zwischenmenschliche Beziehungen immer wieder ins Schwanken. Die Betroffenen befinden sich in einer unkontrollierbaren Achterbahnfahrt. Die Gefühle geraten außer Kontrolle und die Menschen wissen häufig gar nicht, wer sie selber wirklich sind.

Normal zu sein ist heutzutage gar nicht mehr normal. Was und wer ist heute überhaupt noch normal?              

Das Lebenszeitrisiko für psychische Erkrankungen liegt bei bis zu 50%. Trotz der großen Anzahl von Betroffenen bleibt dieses Syndrom häufig ein Tabu-Thema.                                             

Kai Schuber-Seel (Theaterpädagoge (BuT) und Regisseur) setzt sich mit seinen Künstlerkollegen dafür ein, dass die Gesellschaft für psychische Erkrankungen sensibilisiert wird. Es kann jeden und jede treffen und es ist nichts, wofür man sich schämen muss. Aber man muss sie verstehen, die emotional instabile Persönlichkeitsstörung Borderline. Damit wir Betroffene nicht alleine lassen, sondern ihnen helfen in ihren Emotionsloopings aus Euphorie, Scham, Schuld und Einsamkeit. Der Stücktext wurde mithilfe von Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und Psychologen entwickelt.

Erarbeitet wird das Stück von Betroffenen und Künstler*innen in Kooperation mit theatermacher e.V. Darmstadt.

Versucht man, Borderline aus der Betroffenen-Perspektive zu beschreiben, ist es gar nicht so einfach, passende Worte dafür zu finden. Worte die eine Momentaufnahme davon einfangen, was es bedeutet, mit Borderline zu leben. Was Fachleute als Störung der Emotionsregulation beschreiben, ist im Alltag der Betroffenen ein permanentes Gefühlschaos, oder eine ständige Achterbahnfahrt der Gefühle. Und was Professionelle als dysfunktionale Spannungsregulation betiteln – wie etwa Schneiden oder Drogenmissbrauch – sind für die Betroffenen verzweifelte Versuche, mit diesem inneren Chaos umzugehen. Oft geht es im Alltag für die Betroffenen darum, auszuhalten. Ein Gefühl von Identitätslosigkeit aushalten und diese ständig quälende Frage danach, „wer ist dieses ,ich´ eigentlich? Die Betroffenen können auch nicht ertragen, sich im Spiegel zu betrachten. Weil sie für das, was sie dort sehen, den allerstärksten Hass empfinden. Sie müssen die Einsamkeit aushalten, während sie sich nach Nähe sehnen – können dann die Nähe aber nicht ertragen und fürchten das Verlassen werden. Es gibt weder Flucht noch Sicherheit. Borderline-Betroffene müssen Anspannung und diese innere Leere ertragen, die wie eine subtile Bedrohung wirkt und hinter jeder Art von Leerlauf lauert. Und manchmal fühlt es sich an, als ob man durch eine unsichtbare Wand von dem Rest der Welt getrennt ist, an der man niemals teilhaben kann. Das alles ist für die Betroffenen veränderbar – dazu brauchen sie jedoch Begleiter im Alltag, die die Borderline-Störung verstehen können.

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